Zusammenfassung

War es vor 25 Jahren hauptsächlich „Jugendfreizeitarbeit“, welche die Hauptamtlichen der offenen Kinder- und Jugendarbeit leisteten, ist es heute neben der Jugendkulturarbeit auch ein Großteil Jugendsozialarbeit. Der ursprüngliche Mit-Verwaltungs-Gedanke bzw. das verbindliche Eigen-Engagement der Jugendlichen war mittlerweile einer eher konsumorientierten Haltung gewichen. Es fällt Jugendlichen in der heutigen Zeit offensichtlich schwerer, sich für ein solches Haus mit-verantwortlich zu fühlen. Natürlich versucht man als Mitarbeiter, konstruktiv dagegenzuhalten, und es gab immer wieder wechselnde Phasen von mehr oder weniger gutem Klima und Engagement.

So hat sich die Atmosphäre im Haus immer wieder geändert, man muss in diesem Bereich ja auch bedarfsorientiert arbeiten. Sei es durch breitgefächerte Ansprüche der Zielgruppe, durch verschiedene Strömungen in der Jugendkultur (Wertewandel!), durch intensive Zusammenarbeit mit anderen Institutionen oder durch geänderte Personalstrukturen. Die Mitarbeiter waren stets bemüht, den neuen Aufgaben gerecht zu werden und haben sich nicht selten auch mit neuen, fruchtbaren Ideen zu Wort gemeldet (z.B. mädchenpädagogische Arbeit, oder die Diskussion über Sinnhaftigkeit  bzw. Notwendigkeit von „Streetwork“ = mobiler Jugendarbeit).


Wesentliche Eckpunkte von Veränderungen im JuZ:

Ende der 80er (87/88) fand eine erste große Umstrukturierung statt (nicht nur in Landshut!) - es wurde mehr auf das soziokulturelle Konzept gesetzt, d.h. mehr Veranstaltungen, Kursangebote, Öffnung der Räume für Eigeninitiativen, Weitung der Altersgruppen, usw., um das Haus einem größtmöglichen Besucherkreis zu öffnen.

Anfang der Neunziger, man hatte nun endlich wieder 3 Planstellen (2 Ganztags-, 2 Halbtagsstellen) zur Verfügung,“ boomte“ neben dem Live-Musik-Bereich (in diese Zeit fiel die Gründung der MILA, fiel der 1. Landshuter Bandwettbewerb, der sich letztes Jahr zum 8. Mal großer Beliebtheit erfreute) plötzlich auch wieder der totgeglaubte „Offene Betrieb“, d.h. Jugendliche (in diesem Falle vorwiegend türkische und andere ausländische Kids) nutzten das Haus regelmäßig und ausgiebig zu ihrer Freizeit-gestaltung. Es gab eine neue Fußballgruppe, es fanden Wochenendseminare mit solchen Jugendgruppen statt, aber es befanden sich auch eine Reihe sehr problematischer Jugendlicher darunter und in diesen Jahren ging es oft heiß und laut her im JuZ.
    
Nach einem Generationswechsel der Klientel ab Mitte der Neunziger legte man durch intensive Freizeitangebote noch mehr Gewicht auf den „Offenen Betrieb“, u.a. da sich auch allgemein ein langsamer Rückgang des Interesses an Live-Musik abzeichnete (wobei gesagt werden muss, dass wir in Landshut damals recht verwöhnt waren von unseren Besucherzahlen).
                                
Die Jugendarbeit in Landshut weitete sich aus: Mit dem Checkpoint wurde ein neuer, kleiner Jugendtreff in der Wolfgangssiedlung installiert, die MOJA (= mobile Jugendarbeit) war mit 2 Planstellen geschaffen geworden , es begannen die Planungen für den Erwerb und den Umbau des neuen JugendKulturZentrums in der „Alten Kaserne“, und damit sind wir schon im Neuen Jahrtausend.

Mittlerweile gibt es die Alte Kaserne schon 5 Jahre und eine zeitlang dachten viele, die Poschinger Villa wäre nun überflüssig – weit gefehlt: Erstens ist das JuKuZ viel zu groß und zu teuer für die vielen kleinen Bands und zweitens basieren die Häuser ohnehin auf grundverschiedenen Konzepten, z.B. gibt es dort keinen Offenen Betrieb und keine solche niederschwellige Angebotsstruktur, was ja ein Jugendzentrum u.a. ausmacht.

Die neue Generation der Jugendlichen im Offenen Betrieb  zeigt sich weitgehendst von ihrer guten Seite. Das heißt, es gibt kaum Probleme mit Aggression oder Drogen / Alkohol,  und wenn, dann sind es eher die Besucher von irgendwelchen Rock- oder Punk-Konzerten bzw. HipHopJams, die diesbezüglich unangenehm auffallen.

Im Saal trainieren regelmäßig die Breakdancer, eine Mädchentanzgruppe  und eine Capoeira-Gruppe und auf Anfrage können auch der Fitnessraum oder ein Besprechungszimmer genutzt werden. Die Disco erfreut sich stets großer Beliebtheit und der Billardtisch im Foyer steht selten leer.

Es  werden insgesamt 4 Bandübungsräume im JuZ von ca. 20 jungen Musikgruppen genutzt, und die JuZ-Bühne wird weiterhin als wichtiges Live-Auftritts-Forum für junge, unbekannte Bands fungieren; das Interesse an Live-Musik ist wieder gestiegen – das scheint ein ewiger Zyklus zu sein – man kann das auch immer an dem Bandwett-bewerb ROCK IN DER VILLA ablesen, der seit 1992 alle 2 Jahre stattfindet, jedes mal viel Publikum anlockt und ständig interessante neue Musikformationen hervorbringt.
    
Seit 2 Jahren gibt es auch ein kleines digitales Tonstudio in den Räumen der ehemaligen Jugendpflege, das mehrmals wöchentlich von Jugendlichen aus dem Offenen Betrieb frequentiert wird, um selbstverfasste Rap-Songs aufzunehmen. Herr Michael Bresler, der Haustechniker, arbeitet vorwiegend auf Honorarbasis im Studio mit den Jugendlichen und wir haben dieses Jahr sogar einen eigenen CD-Sampler mit den besten Aufnahmen von 2005 (verschiedenste Richtungen aus dem Haus – vom Metal über Ambient bis zum HipHop) herausgebracht.

In diesem Sommer hat die Poschinger Villa auch zum ersten Mal drei Wochen lang Ferienaktionen für Kinder zwischen 8 und 12 Jahren angeboten, davon zwei Wochen Ganztagsbetreuung mit täglich 25 Kindern.

Das Jugendzentrum, die „kleine dicke Villa“ ist nach mittlerweile 25 Jahren immer noch eine unentbehrliche Anlaufstelle gerade wegen ihrer niedrigschwelligen  Freizeitangebote für Jugendliche. Darüber hinaus ist immer jemand da als Ansprechpartner für schulische oder familiäre Probleme und es haben schon viele wichtige Beratungsgespräche stattgefunden.
    
Das Konzept des Hauses mit den Schwerpunkten  Offener Betrieb, Kleinkunst (Live-Musik), Nutzung der Räume und Werkstätten (Fotolabor, Töpferei, etc.) sowie einem kleinen Kinder-Kursprogramm (im Frühjahr und Herbst) und regelmäßigen Mädchenfesten (ca. 3 x jährlich) hat aufgrund seiner Flexibilität und Notwendigkeit immer die Möglichkeit,  ein eigenständiges Profil innerhalb der  weiten Landschaft der Jugendarbeit in Landshut zu etablieren. Die Besucherzahlen schwanken zuweilen, aber in der Statistik bleiben sie stabil.

Trotz mancher Engpässe durch die personelle Umstrukturierung und neu hinzuge-kommene Aufgaben des Sachgebietes JA erfreut sich die PoschingerVilla nach wie vor großer Vitalität. 


Landshut, im November 2006


i.A.

S. Zerrath (Dipl.Sozpäd.)

 
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