Zusammenfassung

War es vor fast 40 Jahren hauptsächlich „Jugendfreizeitarbeit“, welche die Hauptamtlichen der offenen Kinder- und Jugendarbeit leisteten, ist es heute neben der Jugendkulturarbeit auch ein Großteil Jugendsozialarbeit. Der ursprüngliche Mit-Verwaltungs-Gedanke bzw. das verbindliche Eigen-Engagement der Jugendlichen war mittlerweile einer eher konsumorientierten Haltung gewichen. Es fällt Jugendlichen in der heutigen Zeit offensichtlich schwerer, sich für ein solches Haus mitverantwortlich zu fühlen. Natürlich versucht man als Mitarbeiter, konstruktiv dagegenzuhalten, und es gab immer wieder wechselnde Phasen von mehr oder weniger gutem Klima und Engagement.

So hat sich die Atmosphäre im Haus immer wieder geändert, man muss in diesem Bereich ja auch bedarfsorientiert arbeiten. Sei es durch breitgefächerte Ansprüche der Zielgruppe, durch verschiedene Strömungen in der Jugendkultur (Wertewandel!), durch intensive Zusammenarbeit mit anderen Institutionen oder durch geänderte Personalstrukturen. Die Mitarbeiter waren stets bemüht, den neuen Aufgaben gerecht zu werden und haben sich nicht selten auch mit neuen, fruchtbaren Ideen zu Wort gemeldet (z. B. mädchenpädagogische Arbeit, oder die Diskussion über Sinnhaftigkeit bzw. Notwendigkeit von „Streetwork“ = mobiler Jugendarbeit).


Wesentliche Eckpunkte von Veränderungen im JuZ:

Ende der 80er (87/88) fand eine erste große Umstrukturierung statt (nicht nur in Landshut!) - es wurde mehr auf das soziokulturelle Konzept gesetzt, d. h. mehr Veranstaltungen, Kursangebote, Öffnung der Räume für Eigeninitiativen, Weitung der Altersgruppen, usw., um das Haus einem größtmöglichen Besucherkreis zu öffnen.

Anfang der Neunziger, man hatte nun endlich wieder 3 Planstellen (2 Ganztags-, 2 Halbtagsstellen) zur Verfügung, „boomte“ neben dem Live-Musik-Bereich (in diese Zeit fiel die Gründung der MILA, fiel der 1. Landshuter Bandwettbewerb, der sich letztes Jahr zum 8. Mal großer Beliebtheit erfreute) plötzlich auch wieder der totgeglaubte „Offene Betrieb“, d. h. Jugendliche (in diesem Falle vorwiegend türkische und andere Kids mit Migrationshintergrund) nutzten das Haus regelmäßig und ausgiebig zu ihrer Freizeitgestaltung. Es gab eine neue Fußballgruppe, es fanden Wochenendseminare mit solchen Jugendgruppen statt, aber es befanden sich auch eine Reihe sehr problematischer Jugendlicher darunter und in diesen Jahren ging es oft heiß und laut her im JuZ.
    
Nach einem Generationswechsel der Klientel ab Mitte der Neunziger legte man durch intensive Freizeitangebote noch mehr Gewicht auf den „Offenen Betrieb“, u. a. da sich auch allgemein ein langsamer Rückgang des Interesses an Live-Musik abzeichnete (wobei gesagt werden muss, dass wir in Landshut damals recht verwöhnt waren von unseren Besucherzahlen).
                                
Die Jugendarbeit in Landshut weitete sich aus: Mit dem Checkpoint wurde ein neuer, kleiner Jugendtreff in der Wolfgangssiedlung installiert, die MOJA (= mobile Jugendarbeit) war mit 2 Planstellen geschaffen geworden , es begannen die Planungen für den Erwerb und den Umbau des neuen JugendKulturZentrums in der „Alten Kaserne“, und damit sind wir schon im Neuen Jahrtausend.

Mittlerweile gibt es die Alte Kaserne schon beinahe 20 Jahre und eine Zeitlang dachten viele, die Poschinger Villa wäre nun überflüssig – weit gefehlt: Erstens ist das JuKuZ viel zu groß und zu teuer für die vielen kleinen Bands und zweitens basieren die Häuser ohnehin auf grundverschiedenen Konzepten, z. B. gibt es dort keinen Offenen Betrieb und keine solche niederschwellige Angebotsstruktur, was ja ein Jugendzentrum u. a. ausmacht.

Die neue Generation der Jugendlichen im Offenen Betrieb zeigt sich weitest gehend von ihrer guten Seite - das heißt, es gibt kaum Probleme mit Aggression oder Drogen oder Alkohol.

Im Saal trainieren regelmäßig eine Mädchentanzgruppe, die Narhalla Landshut und eine Capoeira-Gruppe. Die Disco erfreut sich stets großer Beliebtheit und der Billardtisch im Foyer steht selten leer. Im Medienraum stehen ein internetfähiger PC sowie eine PlayStation 4 zur Verfügung.

Es werden 3 reguläre Bandübungsräume im JuZ von 7 jungen Musikgruppen belegt - ein weiterer, flexibel nutzbarer Übungsraum kann von ambitionierten Einsteigern auch einzeln genutzt werden. Die JuZ-Bühne wird weiterhin als wichtiges Live-Auftritts-Forum für junge, unbekannte Bands fungieren; das Interesse an Live-Musik ist wieder gestiegen – das scheint ein ewiger Zyklus zu sein – man kann das auch immer an dem Bandwettbewerb ROCK IN DER VILLA ablesen, der seit 1992 alle 2 Jahre stattfindet, jedes mal viel Publikum anlockt und ständig interessante neue Musikformationen hervorbringt.
    
Seit geraumer Zeit gibt es auch ein kleines digitales Tonstudio in den Räumen der ehemaligen Jugendpflege, das mehrmals wöchentlich von Jugendlichen aus dem Offenen Betrieb frequentiert wird, um selbstverfasste Rap-Songs aufzunehmen.

In den Sommerferien beteiligt sich die Poschinger Villa auch am Ferienprogramm, und zwar mit Einzelangeboten / Workshops, sowie mit mehreren Wochen Ganztagsbetreuung.

Das Jugendzentrum, die „kleine dicke Villa“, ist nach mittlerweile 35 Jahren immer noch eine unentbehrliche Anlaufstelle gerade wegen ihrer niedrigschwelligen Freizeitangebote für Jugendliche. Darüber hinaus ist immer jemand da als Ansprechpartner für schulische oder familiäre Probleme und es haben schon viele wichtige Beratungsgespräche stattgefunden. Das pädagogische Team ist mittlerweile auf 3,25 Planstellen, verteilt auf 4 Pädagog_innen, gewachsen und wird zumeist von 1 bis 2 FH-Praktikant_innen unterstützt.
    
Das Konzept des Hauses mit den Schwerpunkten Offener Betrieb, Kleinkunst (Live-Musik), Nutzung der Räume und Werkstätten (Fotolabor, Töpferei, etc.) sowie einem kleinen Kinder-Kursprogramm (im Frühjahr und Herbst) hat aufgrund seiner Flexibilität und Notwendigkeit immer die Möglichkeit, ein eigenständiges Profil innerhalb der  weiten Landschaft der Jugendarbeit in Landshut zu etablieren. Die Besucherzahlen schwanken zuweilen, aber in der Statistik bleiben sie stabil.

Trotz mancher Engpässe durch die personelle Umstrukturierung und neu hinzugekommene Aufgaben des Sachgebietes JA erfreut sich die PoschingerVilla nach wie vor großer Vitalität. 


Landshut, im Januar 2019


i.A.

S. Zerrath (Dipl.Sozpäd.)

 
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